Kontakt

Rechtsanwalt Dr. Felix J. F. Adamczuk

Helms Renner Wirth, Rechtsanwälte & Notar
Hohenzollernstr. 6
30161 Hannover
Telefon: 0511 37 42 25 - 0
Fax: 0511 37 42 25 - 66
E-Mail: info@pferderecht-heute.de

Anfahrt

Unsere Kanzlei liegt im Herzen von Hannover, direkt am Stadtwald Eilenriede und bei der Hochschule für Musik und Theater. Sie erreichen uns übrigens auch ganz bequem mit öffentlichen Verkehrsmitteln: Die Buslinien 100, 121, 128 und 134 halten fast direkt vor unserer Haustür an der Haltestelle „Emmichplatz / Musikhochschule“.

Logo

Immer wieder kommt es vor, dass es Beanstandungen nach Behandlung eines Pferdes durch einen Hufschmied gibt. Manche Pferdebesitzer sind dann schnell bei der Hand mit der Aussage dass ihr Pferd „vernagelt“ wurde. Nicht immer ist der Pferdebesitzer dann jedoch berechtigt einen Schadensersatz vom Schmied zu verlangen. Von einer Haftung des Hufschmieds auf Schadensersatz ist nämlich nur auszugehen, wenn eine Schlechtleistung vorliegt und den Hufschmied insoweit auch Verschulden trifft.

Auch stellen sich regelmäßig Beweisprobleme in der Auseinandersetzung mit dem Schmied. Der folgende Beitrag soll einen Überblick über die rechtlichen Fragestellungen bei einer vermeintlichen Schlechtleistung des Hufschmieds geben.

Um die Frage zu beantworten welche Rechte insgesamt dem Pferdebesitzer bei einer Schlechtleistung des Hufschmieds zustehen, ist zunächst die Frage nach dem anzuwendenden Recht und dem Vertragstyp zu klären. Allgemein ist der Vertrag mit dem Hufschmied als Werkvertrag einzuordnen. Der Hufschmied schuldet eine einwandfreie Werkleistung, nämlich einen den Regeln seiner Kunst entsprechenden Beschlag oder aber eine im Ergebnis korrekte Barhufpflege.

Ein mangelhaftes Werk liegt nach dem Gesetz vor, wenn dies nicht die vereinbarte Beschaffenheit hat oder wenn sich nicht für die nach dem Vertrag vorgesehene Verwendung eignet oder sich nicht für die gewöhnliche Verwendung eignet bzw. keine Beschaffenheit aufweist die bei Werken der gleichen Art üblich ist und der Besteller nach der Art des Werkes erwarten kann (vgl. § 633 Abs. 2 BGB).

An der vereinbarten Beschaffenheit fehlt es wenn der Hufschmied beispielsweise hinsichtlich des Beschlages von den ausdrücklichen Wünschen des Bestellers abweicht. An einer Verwendungseignung kann es fehlen, wenn sich beispielsweise der erstellte Beschlag nicht zur disziplinspezifischen Verwendung des Pferdes eignet. Der am weit häufigsten beanstandete Fall des Verstoßes gegen die übliche Beschaffenheit liegt vor, wenn der Hufschmied gegen die Regeln seines Faches verstößt und es hierdurch zu einer Schädigung des Pferdes kommt.

Liegt eine Schlechterfüllung des Vertrages vor, muss der Pferdebesitzer vom Hufschmied zunächst Nacherfüllung verlangen. Dem Schmied ist innerhalb einer angemessenen Frist die Möglichkeit zu gewähren, den Mangel zu beheben. Das Setzen einer angemessenen Frist zur Nacherfüllung ist nur entbehrlich bei einem veterinärmedizinisch indizierten Notfall oder wenn es beispielsweise aufgrund einer irreparablen Schädigung des Hufes nichts mehr nachzubessern gibt.

Für den Fall dass der Hufschmied die Nacherfüllung sogleich ablehnt oder aber innerhalb der ihm gesetzten Frist nicht tätig wird, kann der Pferdebesitzer im Wege der sogenannten Selbstvornahme einen anderen Schmied zur Beseitigung des Mangels hinzuziehen. Er erwirbt dann einen Anspruch auf den Ersatz der ihm hierdurch entstandenen Aufwendungen.

Das Recht zum Rücktritt Vertrag oder der Minderung der vereinbarten Vergütung steht dem Pferdebesitzer zu, wenn die Nacherfüllung fehlschlägt oder der Hufschmied die Beseitigung des Mangels ernsthaft und endgültig verweigert. Liegen die beiden zuletzt erwähnten Voraussetzungen vor kann der Pferdebesitzer zudem Schadensersatz verlangen.

Voraussetzung für einen Schadensersatzanspruch ist jedoch dass der Pferdebesitzer beweisen kann, dass ihm der Schaden aufgrund der Schlechterfüllung des Hufschmieds entstanden ist. Dies kann gelegentlich so weit gehen, dass wenn tatsächlich der Tod des Pferdes auf die Fehlleistung des Hufschmieds sicher zurückzuführen ist Wertersatz für das Tier geleistet werden muss. Auch sind gegebenenfalls erforderliche tierärztliche Behandlungskosten erstattungsfähig. Insoweit ist zu berücksichtigen dass diese nicht auf den Wert des Pferdes limitiert sind sondern diesen nach § 251 Abs. 2 Satz zwei BGB aus Gründen des Tierschutzes auch übersteigen dürfen. Hierbei kommt es jedoch im Rahmen von Erwägungen zur Verhältnismäßigkeit auf eine Einzelfallbewertung hinsichtlich von Haftungsgrenzen an.

Immer wieder wird die Frage gestellt ob auch die Zeit finanziell auszugleichen ist, in der das Pferd nicht zum Reiten zur Verfügung steht. Hierzu vertritt die Rechtsprechung jedoch die Auffassung dass die Nutzbarkeit zumindest eines privat gehaltenen Pferdes keine ersatzfähige Schadenspositionen darstellt. Auch sind nicht etwa die wegen der mangelnden Reitbarkeit frustrierten Haltungskosten zu ersetzen. Die Rechtsprechung bezeichnet diese Kosten als sogenannte „Sowieso-Kosten“, da diese auch angefallen wären wenn das Pferd gesund und somit reitbar gewesen wäre.

Kommt es zu einer Klage gegen den Hufschmied muss der Pferdebesitzer beweisen, dass eine Schlechtleistung des Hufschmieds vorliegt. Ferner muss er beweisen, dass die Schlechterfüllung des Vertrages durch den Hufschmied für den von ihm behaupteten Schaden ursächlich geworden ist. Beides wird häufig nur mit Hilfe einer entsprechenden veterinärmedizinischen Stellungnahme gelingen. Dies kann im Einzelfall bei einem Pferd mit „Vorschäden“ zu Unwägbarkeiten führen. Auch können Lahmheiten grundsätzliche multifaktorelle Ursachen haben. Der Beweis wird häufig nur über ein Sachverständigengutachten gelingen, was das Kostenrisiko eines Prozesses – insbesondere wenn keine Rechtsschutzversicherung besteht – erheblich erhöht.

Dr. Felix Adamczuk
Rechtsanwalt